Bodenpersonal gesucht
Interessant, vielfältig, herausfordernd.
Probe aufs Exempel

Gemeindepraktikum: Daniel Freitag hat's getestet

Eine große Menge von Konfirmanden wartet an einem heißen Sommertag im September schwitzend vor der Eingangstür des Rathauses der Stadt Dortmund.

Die Konfirmanden haben keinen blassen Schimmer, was sie erwartet. Die Türen gehen auf. Es kommen nicht irgendwelche Türsteher raus, sondern schwarz gekleidete Security-Muskelpakete.

Verwunderung macht sich breit: Was habt ihr mit uns vor? Ohne Kompromiss sortiert das Security-Personal mit markanter Stimme die dunkel-haarigen Konfirmanden von dem Rest aus. Freunde müssen sich trennen. Man sieht den Konfirmanden das Fragezeichen auf der Stirn stehen.

Der Eingangssaal ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Auf der linken Seite sitzen die isolierten und unter strenger Beobachtung verachteten dunkel-haarigen Konfirmanden, die ständig aufgefordert werden, nicht zu sprechen und ihr Handy nicht zu benutzen. Sie gucken immer wieder verlegen zu der rechten freien und glücklichen Seite, in der die restlichen Konfirmanden machen können, was sie wollen. Manche auf der rechten Seite lachen die andere diskriminierte Seite aus, andere sind verwundert und rufen den Namen ihrer getrennten Freundin. Die linke Seite hat nichts mehr zu lachen. Man sieht an ihren Gesichtern, dass sie wissen wollen, was jetzt mit ihnen geschieht und wann diese drückende Diskriminierung endlich aufhört.

Dann steigt ein großer Mann auf die Bühne und gibt sich als ständiger stellvertretender Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Dortmund aus. Er löst dieses Spiel mit den Worten auf: „Unser Kreuz hat keine Haken!“. Das schwarz gekleidete Security-Personal zieht seine Jacken aus. Darunter erkennt man nun bunte T-Shirts. Erleichterung macht sich unter der linken Seite der Konfirmanden breit.

Mit diesem Anspiel wollte der evangelische Kirchenkreis Dortmund in Zusammenarbeit mit der Stadt Dortmund den Konfirmanden eindrücklich zeigen, wie sich systematische Diskriminierung anfühlt. Wir müssen vor Neonazi-Propaganda auf Schulhöfen, im Sportverein, auf dem Heimweg aufpassen. Die Neonazi Szene ist nämlich ein akutes Problem in Dortmund.

So kann der Alltag eines Pfarrers sein. Unwahrscheinlich abwechslungsreich. Ich war in meinem Gemeindepraktikum, das ich in der Georgs-Gemeinde in Dortmund gemacht habe, immer wieder überrascht von den vielen verschiedenen spannenden Veranstaltungen und Aktionen.

Zugegeben habe ich mich vor dem Praktikum gefragt, inwieweit sich mein Mentor bzw. Pfarrer in seinem Hamsterrad von Altenbesuchen, Taufgesprächen, Beerdigungen etc. drehen wird. Aber dies trat alles nicht ein! Ich erlebte in den vier Wochen, die wie im Flug vorübergingen, so viele unterschiedliche Aktionen: von einer Pilgerwanderung mit psychisch Kranken aus dem geschlossenen Bereich der Forensik Abteilung bis zu einem theoretischen Vortrag über Fundraising in dem großen Glasgebäude der KD-Bank (Kirche und Diakonie Bank).

Beeindruckt hat mich auch die praktische Idee, von der Organisation Brot für die Welt initiiert, „5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“. Diese Brote wurden dann an dem nächsten Erntedankgottesdienst in den ganzen Gemeinden für eine Spende für Bildungsprojekte in der ganzen Welt verkauft. Die Idee dahinter: Kinder helfen Kindern.

Natürlich gab es auch die klassischen Aufgaben, wie zum Beispiel einen Altersheim-Gottesdienst oder einen Taufbesuch. Aber neben den ganzen aufregenden Aktionen kam diese Normalität sogar ganz gelegen, um wieder auf dem Boden zu bleiben.

Ein Pfarrer bewegt sich oft in den Grenzbereichen menschlichen Lebens und muss viele Emotionen von Jubeltrubel-Stimmung auf einer Hochzeit bis zu der beklemmenden Stille auf einer Beerdigung aushalten und darauf reagieren können. Aber genau das macht unser Leben aus. Die Arbeit eines Pfarrers zeigt die bittere aber auch süße Ehrlichkeit des Lebens. Der Pfarrer ist für viele Menschen eine wichtige Säule in entscheidenden Phasen ihres Lebens ist: von der Geburt über die Hochzeit bis zur Beerdigung.

Die bunte Mischung und die Arbeit über alle Altersgruppen hinweg haben mich in der Zeit des Gemeindepraktikums sehr begeistert. Dadurch habe ich viel Elan für manche Durststrecke, die es in jedem Studium gibt, getankt. Durch dieses Praktikum habe ich mein Ziel fester vor Augen: Ich will Pfarrer werden. Let’s go!

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