Bodenpersonal gesucht
Viele Fragen ohne fertige Antworten

Dorothee Winkelmann, Religionslehrerin

Neulich im Religionsunterricht: „Du sollst nicht lügen“ lautet das Thema. „Am schlimmsten war es für mich, als meine Mutter todkrank war, dass mich alle Erwachsenen angelogen haben und mir niemand die Wahrheit gesagt hat“, erzählt eine Schülerin.

Bestürzung und Betroffenheit unter den Mädchen und Jungen. Doch dann eröffnen sich im Klassenraum neue Räume: Schülerinnen und Schüler stärken und stützen sich gegenseitig.

Sinnfragen werden gerade in „Reli“ häufig gestellt, dabei ergibt sich oft ein sehr persönlicher Zugang. Die Jüngeren gehen ganz unbefangen an die Themen heran, die Oberstufenschülerinnen und -schüler sind meist sehr kritisch. Das gefällt mir, gibt mir selbst neue Impulse und macht den Unterricht lebendig.

Seit 18 Jahren unterrichte ich Evangelische Religion und Geschichte, seit 1998 arbeite ich an der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck (www.e-g-g.de). Nicht viele Kinder hier kommen aus Elternhäusern, in denen Glaube und Religion im Alltag eine große Rolle spielen, ausgenommen die  muslimischen Kinder.

Sinnfragen werden gerade in »Reli« häufig gestellt, dabei ergibt sich oft ein sehr persönlicher Zugang.

In unserem Schulalltag ist das religiöse Leben jedoch ein wichtiger Bestandteil. Das eröffnet mir viele Gestaltungsspielräume. So haben wir zum Beispiel das „Wort zur Woche“ eingeführt: Unter dem Motto „take five“ wird in allen Klassen montags zu Unterrichtsbeginn ein kurzer Text vorgelesen und gemeinsam reflektiert. Aus den „five“ können bei angeregten Diskussionen auch zehn Minuten werden. Solche Zeiträume zu schaffen für die Entwicklung eigener Gedanken finde ich ganz wesentlich.

Zu meinem Job gehören natürlich auch die Pausenaufsicht, Klausurkorrekturen, Konferenzen, Eltern- und Schülergespräche, ebenso Tagungen im Pädagogischen Institut und die Teilnahmen an den Kirchentagen. Das A und O sind der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern und die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Mein Beruf ist vielseitig. Eines ist er nicht: langweilig.